Am Tag nach der Landtagswahl von Sachsen-Anhalt steckt dem Kanzler der AfD-Sieg erkennbar in den Knochen. Er will nun versuchen, "die Menschen in ihrer Emotionalität stärker zu erreichen". Und weiß, dass das nicht leicht wird.
Nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hat die CDU nach den Worten von Ministerpräsident Sven Schulze keinen Regierungsauftrag mehr. "Wir sind Opposition - der Regierungsauftrag liegt jetzt bei der AfD", stellt Schulze klar. Bundeskanzler Merz zeigt sich erschüttert.
Von der Minderheitsregierung, die AfD-Chefin Weidel am Wahlabend ins Spiel gebracht hat, ist keine Rede mehr. Wahlsieger Siegmund gibt das Ziel auf, nur mit absoluter AfD-Mehrheit zu regieren. Jetzt setzt er darauf, dass BSW oder einzelne Abgeordnete ihm helfen, "einhundert Prozent" AfD-Positionen umzusetzen.
Das BSW träumt von einer Expertenregierung mit wechselnden Mehrheiten in Sachsen-Anhalt. Die ist trotz des BSW-Einzugs in den Landtag praktisch ausgeschlossen. Dass das BSW nicht gegen einen AfD-Ministerpräsidenten stimmen will, hilft AfD-Mann Siegmund aber auch nicht weiter.
Dass nach der Landtagswahl die AfD in Sachsen-Anhalt an die Macht kommen könnte, schockiert viele Organisationen des öffentlichen Lebens. So fürchten Lehrkräfte Eingriffe in die Lehrpläne, NS-Gedenkorganisationen rechnen mit Einschnitten und die Kirchen beklagen eine Spaltung. Es kommt zu ersten Demos.
Trotz eines eindeutigen Wahlsiegs dürfte die Regierungsbildung in Sachsen-Anhalt schwierig werden. Im "Notfall" könnte neu gewählt werden - unter diesen Voraussetzungen.